Konversationsstücke

Der Performance- und Medienkünstler Oliver Hangl lässt zwei Gesprächspartner*innen parallel zum Meinungsaustausch gemeinsam einen Tonblock bearbeiten. Die Konversationsstücke sind als Serie konzipiert, bei der aus Tonmasse im Gespräch ein skulpturales Gemeinschaftswerk geformt wird. Das Vorgehen des Haltens und Sprechens, des Knetens und Zuhörens erinnert an Strategien respektvoller Kommunikations- und Sprechtechniken und verlangt höchste Konzentration. Gesellschaftlich und kulturpolitisch brisante Themen werden so zur Verhandlung gebracht und sprachlich sowie händisch bearbeitet. 

Den Auftakt macht Hangl mit drei Gesprächen für das Kunsthaus Graz rund um kapitalistisches Wirtschaften.

#1 Genug: Ausrasten (Studiogespräch Wien, 13.11.2021)
Elisabeth Klatzer, Attac Österreich
Barbi Markovic, Autorin

#2 Sicher ist sicher (Studiogespräch Wien, 14.11.2021)
Georg Markus Kainz, Datenschützer 
Franz Schuh, Philosoph, Schriftsteller

#3 Überfluss für alle // Abundance for all (Live-Performance, Kunsthaus Graz, 26.11.2021)
Johanna Kandl, Künstlerin
Dirk Raith, Soziologe, Wirtschaftsethiker

Die drei Gespräche werden am Katzenbaum für die Kunst als Hörstücke gemeinsam mit den skulpturalen Ergebnissen ausgestellt und umkreisen das Themenfeld kapitalistischer Logiken sowie deren Auswirkungen auf die Gesellschaft und deren (Selbst-)Wahrnehmung aus jeweils unterschiedlichen Perspektiven. 

Traditionell ist ein Konversationsstück in der Genremalerei des 18. und 19. Jahrhunderts die Darstellung eines Fests, eines Zusammenkommens von Menschen im Tun oder einer Unterhaltung.  Auch im Theater des 19. und 20. Jahrhunderts bildet das Konversationsstück das Zusammenkommen im Dialog ab. Bürgerlich, geistreich und witzig, schwebt es aber immer in der Gefahr, bloße Konvention zu bleiben. 

Für das Publikum stellt sich in der Gegenüberstellung der tönernen Konversationsstücke und ihrer dazu hörbaren Streitgespräche einerseits die Frage, inwieweit Haltungen, Meinungen und Auseinandersetzung am gemeinsam geformten Objekt sichtbar und ablesbar werden. Wie also wirkt sich das Sprechen und Denken auf unser Tun aus? 

Gleichzeitig beleuchtet Hangl in seiner mehrschichtigen Arbeit einmal mehr den Prozess des kooperativen Schaffens an sich. Ebenso schonungslos wie subversiv, sind die Konversationsstücke geradezu naive Versuche des Festhaltens und Beweisens einer kreativen Kraft von Auseinandersetzungen. 

Denn gemeinsames Schaffen in der respektvoll vorgetragenen Meinungsverschiedenheit ist produktiv, oder?

 

Eröffnung: 09.11.2021
Ausstellung: 09.11.-12.12.2021
Ort: Kunsthaus Graz, Katzenbaum für die Kunst, Foyer